Warum denn agil?

Hallo Welt-Verbesserer.

Agilität ist ja mittlerweile ein Schlagwort, an dem wir kaum vorbeikommen, wenn wir uns mit dem Thema Softwareentwicklung auseinandersetzen. Seit über 10 Jahren gibt es nun das agile Manifest und seit dem hat das Konzept in der einen oder anderen Form in der Softwareentwicklung Einzug erhalten.

Im Rahmen dieses Artikels möchte ich ein wenig darüber erzählen, warum wir glauben, dass es für Unternehmen sinnvoll ist, ebenfalls auf Agilität zu setzen und was wir darunter verstehen.

 

Warum wir es nicht wollen

Bevor wir uns damit auseinandersetzen, warum wir in unserem Unternehmen agil arbeiten wollen, möchten wir erstmal klarstellen, warum wir es nicht wollen sollten.

Agilität scheint derzeit ein Hype zu sein. Jede Softwarefirma, die was auf sich hält macht Scrum oder Kanban. Gut sehen kann man das in den aktuellen Stellenausschreibungen. Selten fehlt dieser Aspekt dort. Aber arbeiten alle diese Firmen auch agil? Oder muss das einfach in den Stellenausschreibungen stehen, damit sich überhaupt jemand bewirbt? Sagen wir, wir machen Scrum und haben vielleicht sogar auch ein Board oder leben wir die Agilität im Unternehmen wirklich aus? Wir wollen nicht agil werden, um agil zu sein.

„Bei Google gibt es so ein Spiel-Zimmer, in dem die Mitarbeiter auf Kicker oder Videospiele auf Spielekonsolen spielen können. Wir machen auch so ein Spielzimmer, dann sind wir genau so erfolgreich wie Google!“. Dass das nicht funktionieren kann, leuchtet jedem ein. Gleiches gilt auch für die Agilität. Wir wollen nicht agil werden, weil andere es machen.

Aber warum wollen wir den agil sein, wenn nicht um „hip“ zu sein, oder um den Erfolg anderer zu kopieren? Es folgen ein paar Anregungen, die vielleicht gar nicht auf den ersten Blick mit Agilität in Verbindung gebracht werden.

 

Überleben am Markt

Die IT-Branche und insbesondere die Softwareentwicklung ist eine sehr schnelllebige. In dieser Branche müssen wir uns durchsetzen. Die Aufgabe eines Unternehmens ist es dabei, sich langfristig am Markt zu etablieren. Wer von uns hat nicht gerne einen sicheren Job?

Um dies zu erreichen, muss ein Unternehmen in der Lage sein, sich schnell an die sich ändernden Gegebenheiten des Markts anzupassen, Marktnischen zu erkennen und zu nutzen. Dabei hilft uns die Agilität, da wir durch sie schnell auf Veränderungen reagieren können. Sei es nun, dass sich der Markt verändert, die Konkurrenz erstarkt oder ein neuer Konkurrent dazukommt, sich Trends entwickeln, die man bisher nicht im Blick hatte oder es einfach neue Technologien gibt.

Es gibt viele Gründe, warum ein Markt sich verändert. Ein Unternehmen muss sich schnell diesen Änderungen anpassen können.

 

Das „Richtige“ tun

Ein wichtiger Aspekt dabei, konkurrenzfähig zu bleiben ist es, die sogenannte „Time-to-Market“ möglichst kurz zu halten. Das Ziel ist es also, ein Produkt so schnell wie möglich zu veröffentlichen, damit es Geld in unsere Unternehmenskasse spült. In der Vergangenheit (und teilweise auch heute noch in vielen Unternehmen) haben wir versucht dies zu erreichen, indem wir die Produktivität erhöht haben. Standardisieren von Abläufen, verschlanken von Prozesse, eliminieren von Warte-/Liegezeiten, bilden spezialisierter Abteilungen, …

Dieses Vorgehen hat uns sehr weit in die Richtung gebracht, dass  unsere Time-to-Market kürzer wurde. Nun sind aber meist alle Prozesse und Abläufe soweit optimiert, dass eine kleine Steigerung der Produktivität sehr hohe Investitionen bei der Konzeption und der Umsetzung benötigen. Dieser Weg ist also ausgeschöpft.

Viel Wichtiger als die Prozesse zu optimieren wird zunehmend die Frage nach dem was wir tun. Wenn wir mit hoher Produktivität Produkte entwickeln, die der Kunde nicht braucht, haben wir zwar ein hochoptimiertes Unternehmen, aber leider kein erfolgreiches. Wir müssen also versuchen das Richtige Produkt für unsere (zukünftigen) Kunden zu entwickeln.

 

Gemeinsam sind wir stärker

Dabei hilft uns die Agilität mit Ihrem Verständnis von Zusammenarbeit. Hier arbeiten funktionsübergreifende Teams (engl. cross functional teams) eng zusammen. Das Team besitzt dabei in Summe alle Kompetenzen, welches für das Produkt erforderlich sind. Jeder einzelne kann und darf – ja soll! – seinen Beitrag zum Erfolg des Produkts leisten. Das Team besteht dabei im besten Fall nicht nur aus reinen Entwicklern. Nein, jeder im Unternehmen kann in einem solchen Team arbeiten. Je unterschiedlicher, desto besser. In Kundenprojekten kann sogar der Kunde selbst teil eines solchen Teams sein.

Gemeinsam im Team werden dann die richtigen Prioritäten gesetzt. Das sind genau die Prioritäten, die dem Unternehmen den größten wirtschaftlichen Erfolg gewähren. Dabei liegt der Fokus nicht darauf, kurzfristig Erfolg zu haben und Geld zu machen, sondern auf der langfristig angelegten Marktstabilität (siehe oben). Das ist auch der Grund, warum es so wichtig ist, ein möglichst breites Spektrum an Kompetenzen im Team zu haben. Gemeinsam wird so die richtige – oder wenigstens bestmögliche – Entscheidung im Sinne des Produkts und damit im Sinne des Unternehmens getroffen.

Um die Time-to-Market kurz zu halten hilft es auch, wenige Teile des Produkts fertigzustellen, statt viel auf einmal anzufangen, aber nichts zu Ende zu bringen. Denn: Nur was fertig ist, bringt uns wirtschaftlich weiter

 

Kleine Schritte zum Ziel

Sind die Prioritäten einmal festgelegt, geht es los! Das Team folgt dem Plan in kleinen, iterativen Schritten. Nach jedem Schritt wird geschaut wo wir stehen und was der nächste Schritt ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden die Prioritäten noch einmal geprüft und angepasst. Hat sich der Markt verändert? Haben wir neue Erkenntnisse darüber gewonnen, was unsere Kunden brauchen? Haben sich Rahmenbedingungen geändert? Alle diese Einflussfaktoren müssen erneut in die Wegschale geworfen werden. Thematisiert hatten wir das ja bereits im Artikel Schritt für Schritt.

 

Unser Ziel ist es nicht, Software zu entwickeln. Unser Ziel ist es, gute Produkte auszuliefern.

 

Im zweiten Teil dieser Miniserie geht es um Veränderungen. Warum sind sie nötig und wie kann Agilität uns dabei unterstützen.

Wir hoffen, euch den einen oder anderen Denkanstoß oder vielleicht auch eine Argumentationshilfe an die Hand gegeben zu haben. Macht das beste daraus.

Eure Spaß-Coder

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